Die Nachfrage nach Klimaanlagen steigt angesichts zunehmender Hitzetage in Deutschland und weltweit. Experten diskutieren, wie sich der Energieverbrauch und die Umweltbelastung durch moderne Technologien, erneuerbare Energien und alternative Kältemittel reduzieren lassen.
Steigende Nachfrage nach klimaanlagen und ihre auswirkungen auf energieverbrauch
Die Sommer werden wärmer, was den Bedarf an kühlen Innenräumen deutlich erhöht. In Deutschland sind bereits sechs Prozent der Haushalte mit mindestens einer Klimaanlage ausgestattet. Prognosen des Umweltbundesamtes gehen davon aus, dass dieser Anteil bis 2030 auf acht Prozent steigen wird. Weltweit erwartet die Internationale Energieagentur für das Jahr 2050 sogar, dass zwei Drittel aller Haushalte eine Klimaanlage besitzen.
In den Vereinigten Staaten sind Schätzungen zufolge rund 90 Prozent der Wohngebäude bereits klimatisiert. Mit dem wachsenden Einsatz von Klimageräten steigt auch der Stromverbrauch erheblich an. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme warnt davor, dass bis zum Jahr 2030 weltweit mehr Energie für Kühlung als für Heizung benötigt werden könnte.
Diese Entwicklung stellt eine Herausforderung für den Klimaschutz dar. Oliver Wagner vom Wuppertal Institut betont: „Letztendlich ist eine Klimaanlage immer mit Stromverbrauch verbunden, und Stromverbrauch ist erst mal nicht gut für das Klima.“ Die steigende Nachfrage führt somit zu einem höheren Bedarf an elektrischer Energie – ein Faktor, der ohne entsprechende Gegenmaßnahmen negative Folgen für das Klima haben kann.
Erneuerbare energien als schlüssel zur klimaschonenden kühlung
Der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix wächst kontinuierlich. Im Jahr 2024 erreichte er einen Rekordwert von fast 63 Prozent. Zudem bieten zahlreiche Anbieter mittlerweile Ökostromtarife mit einem Anteil von hundert Prozent grüner Energie an. Diese Entwicklung eröffnet neue Möglichkeiten zur umweltfreundlichen Nutzung von Klimageräten.
Oliver Wagner zeigt sich jedoch zurückhaltend gegenüber dem Einsatz von Ökostrom allein zum Betrieb von Klimaanlagen: „Auch Ökostrom ist viel zu wertvoll, um ihn zu verschwenden.“ Peter Schossig vom Fraunhofer ISE ergänzt diesen Standpunkt mit dem Hinweis darauf, dass eingesetzter Ökostrom auf dem Markt fehlt und möglicherweise durch konventionellen Strom ersetzt wird – was die positive Wirkung abschwächen kann.
Photovoltaik und effiziente kühltechnik
Eine besonders empfehlenswerte Lösung sei daher die Kombination einer eigenen Photovoltaikanlage mit einer effizienten Kühltechnik: „Selbst dann ist der Einfluss auf das Klima zwar nicht gleich Null, aber das ist schon eine sehr gute und günstige Variante.“ Der selbst erzeugte Solarstrom ermöglicht es Nutzern zudem unabhängig vom öffentlichen Netz zu agieren und so den ökologischen Fußabdruck ihrer Kühlung deutlich zu verringern.
Effizienzsteigerung durch moderne technologien und alternative kältemittel
Neben der Herkunft des Stroms spielt auch die Effizienz moderner Geräte eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung des Energiebedarfs von Klimaanlagen. Das Umweltbundesamt empfiehlt Modelle mit Effizienzklasse A+++, da diese im Vergleich deutlich weniger elektrische Leistung benötigen.
Darüber hinaus sollte die Temperaturregelung bedacht erfolgen: Eine Einstellung drei bis vier Grad unterhalb der Außentemperatur gilt als optimal; Temperaturen unter 26 Grad Celsius sollten vermieden werden, um unnötigen Mehrverbrauch zu verhindern.
Ein weiteres Problem stellen Kältemittel dar – Stoffe wie Fluorkohlenwasserstoffe können bei Lecks oder Entsorgung entweichen und besitzen ein hohes Global Warming Potential . Während CO2 als Referenzwert ein GWP von eins hat, erreichen manche ältere Kältemittel Werte bis zu 1 500 oder mehr; selbst geringe Mengen verursachen dadurch erhebliche Treibhausgaswirkungen.
Als Alternative kommen natürliche Kältemittel wie Propan oder Ammoniak sowie Wasser infrage. Produkte mit diesen Stoffen erkennen Verbraucherinnen am Umweltsiegel Blauer Engel beim Kauf neuer Anlagen schnell wiederfinden können sie so klimaschonendere Optionen wählen.
Ergänzende maßnahmen gegen hitze in gebäuden ohne klimatisierung
Trotz technischer Verbesserungen sollte laut Ferdinand Pfender vom Umweltbundesamt die Installation einer Klimaanlage stets nur letzte Option sein – wenn andere Maßnahmen keine ausreichende Abkühlung gewährleisten können: „Eine gute Dämmung von Dach- und Außenwänden sowie viel Grün rund ums Haus helfen dabei.“
Richtiges Lüften während kühlerer Tageszeiten trägt ebenfalls dazu bei Räume angenehm temperiert zu halten ohne zusätzlichen Strombedarf hervorzurufen. Pflanzen vor Fenstern spenden Schatten; Fassadenbegrünungen verbessern zudem das Mikroklima im Umfeld eines Gebäudes nachhaltig.
Pfender sieht dennoch keinen Grund zur Ablehnung moderner Klimatechnik insgesamt: „Wenn man Aspekte zum Hitzeschutz berücksichtigt sowie Geräte mit Blauem Engel nutzt plus Ökostrom oder eigenen PV-Strom verwendet, kann man eine Klimaanlage durchaus verantwortungsbewusst betreiben.“
Diese Kombination aus baulichen Maßnahmen sowie effizienter Technik bietet Wege hin zur nachhaltigen Raumkühlung trotz steigender Temperaturen infolge des globalen Wandels.